Der Typ und die Fluse.

„Sag mal Fluse, wie haste eigentlich den Typ kennengerlernt?“

Diese Frage wird mir mittlerweile fast täglich gestellt. Und ich hab diese Geschichte schon locker 20 Mal erzählt. Und bevor ich mir den Mund noch fusselig rede kommt hier jetzt alles in schriftlicher Form.

Ich hab den Typen im Juni 2013 kennengelernt. Ich weiß nicht ob ihr es auf dem Schirm habt aber in Dresden gab es damals ordentlich Hochwasser. Ganz Dresden war also mehr oder minder im Ausnahmezustand. Das Museum in dem ich gearbeitet habe auch.

Ich stand da also, immer mit dem Blick auf die ansteigende Elbe und auf die Besucher die alles an Ausstellungsstücke angrabbeln wollten. Über mir begannen die Lichter zu flackern und gingen nach 5 Sekunden vollständig aus. Stromausfall. Über Funk im Ohr hörten wir nur „Bitte alle Besucher nach draußen begleiten. Wir haben einen kompletten Stromausfall im Haus.“ Na gut. Also alle Besucher angesprochen, kurz die Situation erklärt, mit einigen noch diskutiert und ab ging die Post. Nach 10 Minuten traf sich die komplette Belegschaft auf dem Hof um die Lage zu sondieren. Ich stand neben einer Kollegin mit der ich mich unterhielt. Nebenbei wandte sie sich ab um mit jemanden auf der anderen Seite zu sprechen. Bin ja nicht so kontaktfreudig und hab mich deswegen auch nicht ins Gespräch eingeklinkt. Hat nicht funktioniert. Meine Kollegin meinte nämlich auf einmal zum Nachbarn „Ach kennst du eigentlich schon unsere neue Kollegin? Das ist Nadine.“ Mit diesen Worten trat sie einen Schritt zurück und da stand er. In Arbeitskluft. (die ihm im Gegensatz zu mir gut stand) Verschmitzt grinsend. Und in meinem Kopf war das nur so „Oh man sag jetzt nichts Dummes. Sag jetzt bloß nichts Dummes.“ Raus kam im Endeffekt ein pfeifender Ton der ganz schwach nach meinem Namen klang. Gut gemacht. „Ja hallo, ich bin der Typ.“ (I bims der Typ) Angenehme Stimme. Und das wars dann. Ich kanns nicht erklären und hab schon oft versucht es in Worte zu fassen und begreiflich zu machen. Aber ich war verliebt. Der stand da so mitten drin in meinem scheiß Chaos. Ich dachte am Anfang erst, dass es keinen schlechteren Zeitpunkt geben könnte. Neuer Job, irgendwie noch voll in einer beschissenen On/ Off Beziehung und das Gefühl verrückt zu werden. Im Nachhinein hätte es nicht besser gehen können. Der Typ hat Ordnung gemacht mit mir zusammen. Hat sich gar nicht drum bemüht. Für den war das einfach alles selbstverständlich.

Und nachdem die besagt Kollegin mich kurze Zeit später alleine gefragt hat wie ich den Typen denn finden würde (was ich mit einem leicht bescheuerten Grinsen quittiert habe) und, dass er mich wohl auch ganz gut findet, hab ich am selben Tag noch mit einer Nachricht bei Facebook gerechnet. Aber nichts. Nada. Erst am nächsten Tag hat der Herr sich bequemt mich anzuschreiben. Mit einem einfachen ‚Hey :-)‘ Einfallsreich ist sein zweiter Vorname. Aber natürlich hab ich geantwortet. Nichts mit warten lassen, das konnte ich auf keinen Fall.

Es hat nicht lange gedauert und kurze Zeit später waren wir an einem Abend verabredet. So mit Anzug und Kleid, mit schick Essen gehen, Tür aufhalten und Komplimente machen. Das war unser erstes und einziges Date- bevor wir ziemlich flux in die Beziehung geschlittert sind. Wir waren dann einfach so zusammen. Ohne das tot zu reden. Drei Monate später sind wir bereits zusammen nach Berlin gezogen. Und auch da haben wir nicht gezögert. Er hat nie von mir verlangt mitzukommen- aber eine Fernbeziehung wollte ich auch nicht. (Was natürlich unfassbar gut geklappt hat. haha) Es war dann einfach entschiedene Sache. Der Typ und ich. Fluse und Typ.

Wenn ich das so lese muss ich ein bisschen lachen. Niemals würde ich einer Freundin raten nach drei Monaten mit ihrem Freund zusammen zu ziehen wenn sie verunsichert wäre. Aber ich hab immer viel verpasst weil ich mich bei vielen Dingen nicht getraut hab. Also bin ich gesprungen. Und das war das tiefste Sprung den ich je gemacht hab. Aber auch der Allerbeste und Schönste.

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Hier noch eine kleine Anmerkung:

Der Typ heißt wirklich Typ und hat keinen richtigen Namen. Das klingt jetzt erstmal wie eine Lüge, aber tatsächlich ist es so, dass seine Eltern sich nicht für einen Namen entscheiden konnten. Klar war, dass er ein Junge wird. Sein Vater hat immer „kleiner Typ“ zu ihm gesagt. Und da er ein Frühchen war und seine Eltern nicht genug Zeit zum nachdenken hatten, sind sie einfach bei Typ geblieben. Die Story warum er nur einen halben Kopf hat erspare ich euch jetzt Mal. Das könnte für einige zu dramatisch sein.

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Danke fürs lesen.

Fluse.

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Ein Gedanke zu “Der Typ und die Fluse.

  1. Liest sich wunderbar, die einfachsten Geschichten schaffen meistens die besten Beziehungen ❤ Bei mir kam der Meister als nicht wirklich bekannter Kollege auf ne Pizza und blieb für immer. 6 Jahre jetzt schon.
    Liebe Grüße 🙂

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