Das hier ist anders.

„Ich hab mir ein Ticket gekauft. Und ich werde nicht wieder kommen.“, sagst du mir an unserem gemeinsamen Abend. Der letzte, so wie es nun schien. „Was für ein Ticket?“, erwidere ich stutzig, der Kloß in meinem Hals lässt mich schwer atmen. „Ich muss hier weg. Ich kann nicht bleiben, das wusstest du doch oder?“ Klar wusste ich das, ich hab damit gerechnet und gebetet, dass du doch bleibst, ich dich überreden könne. Doch dir reicht der Platz in meiner kleinen 1-Zimmer Wohnung nicht. Du brauchst viel mehr Luft, so warst du schon immer. 20qm sind zu klein, dir gehört die Welt. Und ich hasse dich dafür. Du kommst und du gehst, so ist es schon seit Jahren. Ich kann dir nicht in die Augen schauen, denn da würde ich etwas suchen, was ich nie finde. Die Augen brennen, meine Hände zittern. „Bitte bleib!“ Es ist das erste Mal, dass ich dich bitte an meiner Seite zu verharren, innerlich bereite ich mich schon auf die Abfuhr vor. „Ich muss gehen.“ Und da ist sie. Es ist ein bisschen wie ein Schlag ins Gesicht, ohne Spuren.

Am nächsten Tag bring ich dich zum Flughafen. Dein Flug geht ans andere Ende der Welt und du lässt mich tatsächlich hier. Bis zum Schluss warte ich, dass du „Überraschung“, schreist. Noch ein weiteres Ticket zum Vorschein bringst und mir erzählst, dass du mich mitnimmst. Oder wenigstens zurück kommst. Doch es fühlt sich nicht so an wie die letzten Male, das hier ist für immer. Für immer ohne dich. Meine Sicht ist betrübt, die Tränen bahnen sich den Weg.

Du hälst meine Hand, ich versuche das Gefühl in mir aufzusaugen. Deine Haut ist weich, wie oft hast du mich damit berührt? Mal flüchtig, mal mit voller Absicht. Deine Lippen sind ein bisschen eingerissen, wie oft hast du mich damit schon geküsst? Auf den Hals, auf den Kopf, auf den Mund. Noch mehr Tränen. Du starrst mich an, graue Augen, gelbe Flecken. Wie oft hast du mich schon so angeschaut? Mal wütend, mal spöttisch. Du bleibst stehen, ziehst mich zurück. Ich blicke zu Boden, noch mehr Tränen. „Hey.“, flüsterst du, nimmst mich in den Arm. Ich spüre dein Herz klopfen. Wie oft standen wir schon so da? Als Wilkommensgeste, zur Versöhnung. Niemals so wie heute, niemals hatten wir diesen endgültigen Abschied. Da war immer Hoffnung, immer ein Funke. Heute ist alles schwarz, da ist kein Licht. Nur dieses Loch, nur du und ich und dein verdammtes Ticket.

Und dann verschwindest du. Sagst kein Wort zum Abschied, denn nichts würde ausreichen, kein Ton würde hier genügen. Dein Blick trifft mich, ein letztes Mal. Dieses Mal liegt Wehmut darin. Ein Abschied der längst überfällig war, das wissen wir beide.

Du hast dir ein Ticket gekauft. Bist nie wieder gekommen.

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