Schiffbruch.

Ich mag die hohen Wellen, den Stress, den Druck, den brauche ich um Fahrt aufzunehmen. Um meine Gedanken zu ordnen und meine Stärke zu finden. Aber momentan sind die Wellen zu riesig, mein Mast ist gerissen und ich versuche meine Lungen vor diesen riesigen Massen zu schützen. Denn sie lassen mich zweifeln, schlaflos sein weil es so tobt auf der Oberfläche. Ich bekomme keine Luft mehr, da ist zu viel Wasser und ich kann diesen rettenden Hafen nicht entdecken. Seit Tagen, Wochen, seh ich kein Land mehr. Da bin ich, das weite Meer und dieser Sturm der versucht mich niederzustrecken. Und er hat es geschafft, ich bin unter gegangen. Nur dieses Mal ohne Sauerstofflasche, kann nicht mehr auftauchen.

Ich weiß nicht warum das Leben, wie es sich nennt und tarnt, die Karten manchmal so ungerecht verteilt. Vielleicht hat man es nicht anders verdient, vielleicht ist das ein verdammter Test. Wenn ich ehrlich bin wünsche ich mir momentan dass es vorbei ist, diese Probe. Mein Aushaltlevel ist erreicht. Man kann seine Gefühle lange überspielen, man kann sich Hilfe holen, man kann kämpfen. Aber in den letzten Wochen habe ich festgestellt dass es Dinge gibt die nicht wieder gut werden, die nicht heilen und einfach so bleiben. Es gibt Ereignisse, Katastrophen, damit wird auch Goliath nicht fertig. Und jetzt? Jetzt ist da dieses riesen Loch, von dem ich das Gefühl habe dass es von Tag zu Tag größer wird. Was zum Teufel tut man mit dem Schmerz der nie wieder nachlässt? Was tut man mit der Ungewissheit und der Trauer, den Selbstzweifeln und der ganzen Schwärze im Herz?
Du kannst von Psychologe zu Psychologe rennen, von Klinikaufenthalt zu Kinikaufenthalt. Kannst mutig sein, nicht aufgeben. Und dann trotzdem verlieren. Diese Phase ist hart. Da gibt es nichts zu verschönern, kein „Es wird wieder bergauf gehen!“ Das Leben ist nämlich nicht immer ne Achterbahn. Wenn du unten bist geht es nicht immer wieder rauf. Manchmal geht auch einfach das Licht aus, alle gehen heim und du sitzt in dem Waggon alleine und versuchst nicht ganz so laut zu heulen. Ich hab es so satt. Hab diese Welle des Unglücks so über. Und ich möchte Menschen denen es so viel besser geht das auch wirklich gönnen. Aber heute finde ich die Welt scheiße. Finde ich mein Kartenblatt auf der Hand beschissen und mir fehlt dieser Mut. Mir fehlt der Antrieb. Ich fehle mir. Vielleicht kann so ein kaputtes Schiff repariert werden. Aber es wird nicht wieder so seetauglich wie vorher. Dabei wünsche ich mit nichts anderes.

Ich mag die hohen Wellen, den Stress, den Druck, den brauche ich um Fahrt aufzunehmen. Heute wünsche ich mir so sehr ich wäre an Land. Sicherer Hafen.

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Ein Gedanke zu “Schiffbruch.

  1. Ich fühle mit dir und bin gleichzeitig mal wieder aufs neue über deine tolle Art das alles in Worte zu fassen erstaunt. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass die kreativsten Menschen auch gleichzeitig die „kaputtesten“ sind. Eine Gabe, die mit einem bitteren Beigeschmack versehen ist.
    Manchmal hilft es schon von Außerhalb und von fremden Menschen Zuspruch zu erhalten, deine Worte erreichen und berühren mittlerweile viele Leute, so auch mich. Dennoch hoffe ich, dass auch in greifbarer Nähe Personen sind, die dich zumindest in ihrem Hafen kurz pausieren lassen, bis du bei deinem eigenen ankommst.
    Ich hatte auch oft den Punkt erreicht, an dem ich dachte ich zerfalle in tausend Splitter und niemand an meiner Seite war. Ich weiß bis heute nicht, wie genau ich das überhaupt überlebt habe, bin ich doch eher schlecht als recht durchs Leben gestolpert. Oft war der einzige Trost das, was mich damals auf dich aufmerksam gemacht hat. Die Liebe zu Büchern, die Liebe zum Schreiben.
    Ich weiß nicht, was alles in deinem Leben passiert und passiert ist, aber jedes Mal wenn du schreibst, zündest du in einer/m von uns ein Licht an.

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