Ist nur mein Herz. Tritt nochmal drauf.

Ich bin gestern nach Hause gekommen. Und hab sofort gespürt dass etwas anders ist. Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht ist es der Wetterumschwung. Ich friere ein wenig, bestimmt die Erkältung. Eigentlich bin ich früher gekommen um dich zu überraschen, aber du bist nicht da. Bist bei Freunden schreibst du, kommst erst spät wieder. Ich weiß nicht bei wem du bist, aber ich mache mir keine Sorgen. Hab ich nie, weil ich dir vertraue. Ich gucke Serien, wasche Wäsche und entspanne mich in unserer Wohnung. Stunden später kommst du heim, ich schiele auf die Uhr- Mitternacht. Ich bin müde, grummel dir nur ein „Hallo.“ entgegen und schlafe wieder ein. Ich merke kaum wie du dich neben mich legst, mich umarmst und auch weg bist.

Am nächsten Morgen bist du schon weg. Klar, du hast Frühschicht. Ich mache sauber, gehe einkaufen und koche. Als du Heim kommst wird mir wieder kalt. Vielleicht sollte ich baden gehen, es ist so verdammt frostig hier drin. Du küsst mich flüchtig, redest kaum mit mir. Sicher hattest du einen schlechten Tag. Du bist nicht besonders gesprächig, aber ich weiß ja wie es ist, deine Arbeit ist anstrengend. Also entspanne ich mich. Freue mich endlich wieder daheim zu sein. Hier ist meine Burg. Hier bin ich sicher.

Ich weiß nicht warum du das getan hast. Aber als ich auflege und das Gespräch beende habe ich Gewissheit. Du hast mich betrogen. Nicht nur einmal. Ich bin taub, taub und wahrscheinlich unfassbar blind. Wieso hab ich nichts geahnt? Wieso war ich so blauäugig?Ich kann kaum atmen, so sehr schmerzt dieser Betrug. Ich habe nicht gefroren weil mir so kalt war, sondern weil du es bist. Du bist kühl, hältst mich auf Abstand und ich hab es mir schön geredet. Mein Hirn ist wie vernebelt. Koffer packen, nur das Wichtigste reinschmeißen. Ich muss hier raus. diese Burg ist kaputt, zerschmettert und nicht mehr sicher für mich. Du hast mir meine Sicherheit genommen. Dabei dachte ich meine Mauern wären hoch genug. Aber du hast alles eingerissen.

Ich schreibe einen Brief. Nicht mal das hast du verdient, aber ich muss mich beschäftigen bis der Zug kommt. Ich muss hier weg, ich brauche einen Ort an dem ich sicher bin. Als wir uns sehen kann ich dir nicht mal in die Augen blicken, zu groß die Wut, zu heftig der Schmerz. Du schweigst, bist leise und blickst zu Boden. Streitest nichts ab, gibst nichts zu. Feigling. Ich bin fertig mit dir, bin fertig mit uns- das rede ich mir ein. Solange ich unter Strom stehe bin ich stark, kann es mir nicht erlauben einzubrechen.

Doch der Bruch kommt. Tage später als ich alleine mit meinen Gedanken bin. Das erste Mal finde ich Ruhe. Und spüre das erste Mal mein Herz, ich spüre es, weil es nicht mehr schlägt. Der Schmerz und der Vertrauensbruch, an was anderes kann ich nicht mehr denken. Ich mache mir Vorwürfe, ich bin zu dick, zu hässlich, nicht gut genug für dich. Mein Herz bricht tausend Mal. Und dann noch einmal. Ich bin alleine. Verdammt, schon wieder. Wochenlang trauere ich. Obwohl du dieses Gefühl nicht verdient hast.

Als ich einkaufen gehe, gehe ich an den Bananen vorbei. Du hast Bananen nie gemocht. Mir fällt ein dass es jetzt egal ist, schließlich muss ich nicht mehr schauen was du magst. Muss nicht mehr drüber nachdenken welche Allergien du hast, was für Weichspüler du verträgst. Ich bin für mich, ohne Rücksicht zu nehmen. Also kaufe ich Bananen, ich kaufe MEINEN liebsten Weichspüler und esse Fischstäbchen mit Kartoffelbrei. Alles was du nicht mochtest, verachtet hast, das hab ich wieder. Und plötzlich fällt mir auf; ich gehöre dazu. Du hast mich nicht geliebt, hast mich verachtet. Ich kann mich wieder lieben, weil du mich nicht mehr zurück hältst. Ich bin für mich, und das klappt besser ohne dich.

Ich bin gestern nach Hause gekommen. Und mir war warm. Nie wieder frieren.

 

Ein sicherer Hafen.

Ich möchte nicht lange um den heißen Brei rumreden. Hier ein Blogpost über meine erste Therapie.

„Du brauchst Hilfe.“

Musste ich mir in den letzten Jahren öfter anhören. Ich belächelte das alles, denn ich wusste selbst, dass ich Probleme habe die ich nicht alleine lösen konnte.
Ich wollte keine Hilfe annehmen, nicht weil ich stur und bockig war. Sondern aus Scham. Ich habe mich unfassbar für alles geschämt. Und das dann auch noch jemandem erzählen der mich nicht mal kennt? Keine Chance. Ich konnte ja nicht mal nen klaren Gedanken fassen, wie sollte ich also alles über die Lippen bringen? Und so trug ich alles mit mir rum. All die Wut, all das Entsetzen und die Angst.

Die Wut brach sich immer dann Bahnen wenn ich es am wenigsten gebrauchen konnte. In der Klasse gegen meine Lehrer, meine Schulkameraden und gegen mich selbst. Ich konnte mich nicht zügeln, schon gar nicht wenn ich das Gefühl hatte ungerecht behandelt zu werden. Die Angst kam meistens mit der Einsamkeit, die ich oft durch meine Wut in Gang setzte. Mit der Angst kamen Alpträume, Tränen und noch mehr Wut. Ein verdammter Teufelskreis. Und ich hatte einfach kein Wort für dieses (Nicht)- Gefühl.

Am absoluten Tiefpunkt vor einigen Jahren, suchte ich mir dann Hilfe. Mein erster Termin bei meiner Psychologin. Auf die Frage ‚wie es mir denn ginge?‘ fing ich an zu heulen. Und das tat ich die nächsten 60 Minuten. Und das tat ich die nächsten 4 Sitzungen. Ich sagte kein Wort, ich weinte. Und meine Psychologin reichte mir ständig neue Taschentücher. In der 5ten Sitzung konnte ich das erste Mal richtig antworten. „Mir geht’s schlecht.“ Sie nickte. Ich fühlte mich wohl. Wir sprachen über alles Mögliche, unwichtige Dinge. Es dauerte 5 weitere Sitzungen bis ich auf die eigentlichen Probleme zu sprechen kam. Ich weinte noch mehr. Und sie hörte zu, ließ mich erzählen dass ich Angst hatte, dass ich tagelang nicht schlief und dass meine Lieblingsschokolade Vollmilch von Milka war.

Nach den Gesprächen fühlte ich mich immer etwas freier. Sie verurteilte mich nicht, sah mich nicht an wie ein Opfer und machte keine neunmalklugen Bemerkungen. Erst als ich alles erzählt hatte, erst als in der Sitzung keine Tränen mehr kamen, erst da  fing sie an mit mir zu sprechen. Sie sprach mit mir über Übungen die ich machen konnte wenn ich wieder diese Wut bekam, sie machte mir Listen mit Dingen an die ich denken sollte wenn ich spürte dass ich die Kontrolle über mein Leben verlor. Sie half mir klar zu kommen, mir wieder selbst zu vertrauen. Vor allem bekam ich mit ihrer Hilfe diese dauerhafte Angst in den Griff. Nicht weg. Aber ich konnte sie kontrollieren.
Ich lernte mich neu kennen. Verstand endlich dass ich mich mögen musste um leben zu können. Ich schlief endlich wieder regelmäßig. Ohne Angst. Ohne das Licht anzulassen.

Jetzt, Jahre später, bin ich so unendlich froh dass ich diesen Schritt gemacht habe. Und zwar aus eigenem Willen. Man muss es selbst wollen, man muss sich eingestehen dass man Hilfe braucht. Erst dann kann man diese auch annehmen.
Und den typischen Gedanken den man hat, wenn man an Therapien und Psychologen denkt, der ist in den meisten Fällen nicht richtig.

Sucht euch eine Praxis aus in der ihr euch wohl fühlt, der für euch sicheres Terrain wird. Ihr müsst euch einen sicheren Hafen suchen, bis ihr euer eigener Hafen sein könnt. Fühlt euch nicht schlecht weil ich alleine nicht mehr weiter kommt. Manchmal braucht man einfach Unterstützung, das ist völlig okay.

Wenn ihr ein gebrochenes Bein habt geht ihr auch zum Arzt. Mit einer gebrochenen Seele verhält es sich ähnlich. Dieser Schmerz muss nicht von Dauer sein. Versprochen.

Schiffbruch.

Ich mag die hohen Wellen, den Stress, den Druck, den brauche ich um Fahrt aufzunehmen. Um meine Gedanken zu ordnen und meine Stärke zu finden. Aber momentan sind die Wellen zu riesig, mein Mast ist gerissen und ich versuche meine Lungen vor diesen riesigen Massen zu schützen. Denn sie lassen mich zweifeln, schlaflos sein weil es so tobt auf der Oberfläche. Ich bekomme keine Luft mehr, da ist zu viel Wasser und ich kann diesen rettenden Hafen nicht entdecken. Seit Tagen, Wochen, seh ich kein Land mehr. Da bin ich, das weite Meer und dieser Sturm der versucht mich niederzustrecken. Und er hat es geschafft, ich bin unter gegangen. Nur dieses Mal ohne Sauerstofflasche, kann nicht mehr auftauchen.

Ich weiß nicht warum das Leben, wie es sich nennt und tarnt, die Karten manchmal so ungerecht verteilt. Vielleicht hat man es nicht anders verdient, vielleicht ist das ein verdammter Test. Wenn ich ehrlich bin wünsche ich mir momentan dass es vorbei ist, diese Probe. Mein Aushaltlevel ist erreicht. Man kann seine Gefühle lange überspielen, man kann sich Hilfe holen, man kann kämpfen. Aber in den letzten Wochen habe ich festgestellt dass es Dinge gibt die nicht wieder gut werden, die nicht heilen und einfach so bleiben. Es gibt Ereignisse, Katastrophen, damit wird auch Goliath nicht fertig. Und jetzt? Jetzt ist da dieses riesen Loch, von dem ich das Gefühl habe dass es von Tag zu Tag größer wird. Was zum Teufel tut man mit dem Schmerz der nie wieder nachlässt? Was tut man mit der Ungewissheit und der Trauer, den Selbstzweifeln und der ganzen Schwärze im Herz?
Du kannst von Psychologe zu Psychologe rennen, von Klinikaufenthalt zu Kinikaufenthalt. Kannst mutig sein, nicht aufgeben. Und dann trotzdem verlieren. Diese Phase ist hart. Da gibt es nichts zu verschönern, kein „Es wird wieder bergauf gehen!“ Das Leben ist nämlich nicht immer ne Achterbahn. Wenn du unten bist geht es nicht immer wieder rauf. Manchmal geht auch einfach das Licht aus, alle gehen heim und du sitzt in dem Waggon alleine und versuchst nicht ganz so laut zu heulen. Ich hab es so satt. Hab diese Welle des Unglücks so über. Und ich möchte Menschen denen es so viel besser geht das auch wirklich gönnen. Aber heute finde ich die Welt scheiße. Finde ich mein Kartenblatt auf der Hand beschissen und mir fehlt dieser Mut. Mir fehlt der Antrieb. Ich fehle mir. Vielleicht kann so ein kaputtes Schiff repariert werden. Aber es wird nicht wieder so seetauglich wie vorher. Dabei wünsche ich mit nichts anderes.

Ich mag die hohen Wellen, den Stress, den Druck, den brauche ich um Fahrt aufzunehmen. Heute wünsche ich mir so sehr ich wäre an Land. Sicherer Hafen.