Abschiedsgefühl.

Ich sinke ein, meine Zehen graben sich immer tiefer und meine Lungen saugen die salzige Luft förmlich auf. Ich bin Zuhause. Der Wind, der mir um die Ohren peitscht, ist nur halb so kalt wie an anderen Orten. Hier fühlt es sich warm an, weil du so vertraut bist. Du bist mein Ursprung und irgendwo hier habe ich tiefe Wurzeln geschlagen. Hier fühle ich mich angekommen, angenommen. Alle Wege kenne ich blind. Hier bleibt die Zeit stehen, ein kurzer Moment Frieden. Ich steh an deinem Ufer und das Wasser läuft mir über die nackten Zehen, ich erschaudere. Nicht weil das Wasser so eisig ist, sondern weil ich bald den Heimweg antreten muss. Ich lasse meinen Blick über den fast leeren Strand streifen, nur vereinzelt sind Leute unterwegs. Ich kann spüren dass es ihnen ähnlich wie mir geht, dass das Wellengeplätscher die Nerven beruhigt. Am Himmel fliegen ein paar bunte Drachen, entferntes Kinderlachen. Ich könnte hier den ganzen Tag stehen, tief ein und ausatmen. Doch meine Realität ist die Großstadt, die Küste weit entfernt, ein Wunschgedanke wieder heim zu kehren. Du bist so wunderschön wenn du Wellen schlägst, dich aufbäumst und grau bist, wie meine Gedanken. Du bist so wunderschön wenn deine glatte Oberfläche das Sonnenlicht reflektiert, du in dir ruhst und Sommertage unvergesslich werden lässt. Ein Arm legt sich um meine Hüfte, mein Kopf lässt sich auf die Schulter fallen. „Ich will hier nicht weg!“, flüstere ich. In meinen Augen sammeln sich Tränen, sie bilden einen heißen Kontrast zum frostigen Wetter. Er nickt verständnisvoll, antwortet mir flüsternd „Irgendwann kommst du zurück. Zusammen mit mir. Ich verspreche es.“ Die Tränen laufen schneller. Irgendwann.. Ich werde wieder heim kommen, ich bin mir sicher. Doch ‚irgendwann‘ klingt nach einer verdammt langen Zeit dazwischen. Ein letzter Blick über das tosende Wasser. Dann drehe ich mich um, gehe wieder fort. Der Sand ist nass, dieses mal friere ich wirklich. Der Abschied ist kühl, dein Wind jagt mich weg. Bis bald mein Freund. Im Auto drehe ich die Heizung auf, doch nichts vertreibt das Gefühl von Heimweh. Ich sinke ein, nicht im Sand sondern im Ledersitz des Autos. Stumme Tränen begleiten mich über die Autobahn. Und das Versprechen an mich sobald wie möglich wieder zu kommen. Bis bald mein Freund.

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