Der Klotz am Bein.

Wie einige hier sicher wissen, tendiere ich eher dazu sehr schnell wütend und vielleicht auch ein bisschen aggressiv zu werden. Das ist sicherlich nicht die feine englische Art, aber in mit wohnt ein kleiner Gnom der nochmal kräftig hilft wenn ich kurz davor bin die Kontrolle über mein inneres Chi zu verlieren. Und mit Chi meine ich meinen inneren Frieden, nicht irgendein neues High Society Starbucks Getränk.
Oft verspüre ich, völlig unbegründet, eine tiefe innere Wut. Wenn mich dann jemand pisackt, da reichen ein paar böse Wörter oder kleine Schubser, fängt die Zeitbombe zu ticken an. Vorsicht, vorsicht, bitte begeben sie sich in eine sichere Zone. Ich explodiere recht häufig, beruhige mich aber ebenso schnell. Das Problem ist dabei, dass ich dann ziemlich gemein werden kann, verbal versteht sich. Körperlich hau ich nämlich öfter mal gegen eine Wand, kneif mir in mein Bein um keinen Tobsuchtsanfall zu bekommen, oder knall extra laut mit der Tür. Da hilft auch kein Schönreden ala „Bei mir dauert es eine Weile bis ich wütend werde!“, oder „Ich bin halt der impulsive Typ!“ Nö. Ich bin ein kleiner Vulkan der ständig brodelt und zischt und irgendwann überschäumt und Chaos macht. Nicht dass ihr mich falsch versteht, ich bin da echt nicht solz drauf und wünschte mir manchmal, die Engelsgeduld einer Erzieherin, Mama oder Krankenschwester zu haben. Hab ich sogar schon versucht mir anzutrainieren, nur um dann noch mehr auszuflippen. Mein Nervenkostüm hat prinzipiell einen Rüschenrock an und lacht mich aus. Ich kann weder Mandalas ausmalen weil ich die Krise bekomme wenn ich über den Rand komme, langes Spaziergehen hilft nicht weil mir die lange Socke zu warm ist und mir die Sneakersocke langsam von Knöchel rutscht. (ULTRA HASS!) Versuchen mich in einen ruhigen Raum zu setzen und ein paar mal tief ein und auszuatmen klappt nicht, da ich meine Wut abbauen muss- sonst staut sich dass alles an. Egal was ich tue, erst wenn ich einmal richtig geweint oder gemeckert habe ist es wieder gut. Ich bin schnell wieder auf einem humanen Level, aber eben auch schnell wieder weit entfernt davon. Im Allgemeinen hab ich das Gefühl, in Momenten der Klarheit, ein sehr Gefühlskelenkter Mensch zu sein. Ich bin schnell traurig, schnell mit kleinen Dingen glücklich zu machen, (Das ist absolut positiv, selbst der mitgebrachte Donut macht mich dann super glücklich. Aber gut, es ist ein Donut, was stell ich das eigentlich in Frage?!) Bei mir geht jede Gefühlsregung immer sehr schnell in die Extreme. Manchmal blöd. Manchmal toll. Vor einigen Zeiten hab ich darüber sehr intensive Gespräche geführt, vor allem weil meine Wut mir oft auch ein großes Hindernis ist. Ein Hindernis, welches es zu überwinden gilt. Ich habe mich immer für zu sensibel gehalten, oder einfach durchgeknallt. Und das ist so falsch. Meine Wut ist nichts Schlimmes, sie ist ein Teil von mir. Aber eben einfach der größere Teil. Vor allem rührt sie daher dass ich oft einfach mit mir selbst nicht klar komme, wütend auf mich bin, innerlich unzufrieden. Das weiß ich jetzt, und seitdem ich das weiß komme ich besser zurecht. Ich bin nicht von Natur aus wütend, die Erfahrungen und damalige Problematiken haben mich dazu gebracht. Die Angst davor die Kontrolle zu verlieren macht mich böse. Und ich muss nicht wütend sein, ich muss nicht weinen oder schreien. Ich kann die Wut auch einfach Wut sein lassen und in ein besseres Gefühl umwandeln. Negative Dinge werden sich nie in schöne Sachen umwandeln lassen, aber ich kann sie auf jeden Fall kontrollieren, sie zu meinen Gunsten lenken. Wenn mich etwas wütend macht schlage ich nicht mehr wie wild um mich, sondern gehe raus und renne. Ein positiver Aspekt ist übrigens dass ich mal Sport mache, aber vor allem verraucht sie dann. Ich gehe zum Handballfeld und werfe ein paar Tore, so doll wie ich nur kann. (Hab mir dabei fast selbst die Nase gebrochen, es war also wirklich doll!) Ich wandle meine Wut in etwas Gutes um. Danach ist sie meistens weg, oder ich so kaputt dass ich keine Lust mehr habe mich aufzuregen. In den meisten Fällen jedoch schreibe ich. Das verschafft mir immer die nötige Luft um mich abzureagieren. In meiner heutigen Nachtschicht zB. da war auch eine Situation die mich sehr, sehr wütend gemacht hat. Doch bevor ich jemanden aufs Dach gestiegen bin, hab ich mich jetzt hier hingesetzt und meinen Gnom etwas weggeschrieben. Jetzt kann ich wieder atmen und ich bin nicht ausgeflippt. Also, auf jeden Fall weniger als sonst. Ehrenwort.
Meine Wutflusi wird sicher immer da sein, aber ich lerne sie zu beherrschen. Nicht nur für Andere, sondern für mich. Meine Wut ist mir so oft ein Klotz am Bein. Doch ich hab Hammer und Meißel ausgepackt, damit das Ding verkleinert wird. Und ich mich wieder etwas mehr leiden kann. Die Wut macht nämlich nicht nur böse, sondern auch hässlich!

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