„Musst du wirklich schon los?“

Mein Handy blinkt auf, eine neue Nachricht von dir. „Was machst du so?“, fragst du. Und ich antworte, wie immer. Dabei fehlt mir dein Gesicht, deine Mimik und dieses vertraute Blitzen in den Augen, immer dann, wenn dir der Schalk im Nacken sitzt.
Du fehlst mir, Bauchwehfehlen. Und ich hasse das, nach all der langen Zeit dir wir schon getrennt von einander sind, hab ich mich immernoch nicht an die Einsamkeit gewöhnt die mich umfängt, wenn ich unsere gemeinsame Wohnung betrete. In der ich im Endeffekt alleine lebe. Alle paar Wochen kommst du zu Besuch, dann schwappe ich über vor Liebe und Freude. Nur damit du 24 Stunden später wieder fährst und ein Loch hinterlässt.Ich hasse unsere Fernbeziehung, und doch hab ich dich damit noch mehr schätzen gelernt.

Ich nehme dich nicht mehr für selbstverständlich, schon lange nicht mehr. Die Zeit dir wir zusammen verbringen sind die besten Momente, keine Eintönigkeit, weil wir gar nicht die Chance dazu bekommen uns auf die Nerven zu fallen. Und doch ist es genau das, was ich mir wünsche. Dieses tägliche Zusammensein. Kleine, alltägliche Rituale. Zusammen frühstücken, Abendbrot essen, mit lauter Musik durch die Wohnung tanzen. Ich möchte uns, jeden Tag. Nicht nur alle paar Wochen für ein paar Stunden. In denen wir dann auch noch Freunde, Familie und Freizeit unterbringen müssen. Dabei möche ich mich am liebsten mit dir verstecken, nur wir zwei und diese wenigen Momente. Deswegen halte ich dann deine Hand noch fester, umarme dich etwas länger und genieße es, wenn du noch schläfst und ich eher wach bin als du. Ein ungestörter, friedlicher Augenblick.
Ich mag das Gefühl von Aufgeregtheit, immer dann, wenn ich dich abhole vom Bahnhof. Du fällst mir sofort auf in den Menschenmassen, dann macht mein Herz einen riesigen Sprung und bin ganz nervös. Diese Treffen haben etwas „erstes Date“ mäßiges an sich. Doch so schön wie es ist wenn du ankommst, tausendmal schlimmer ist es wenn du fährst. Der letzte Abschiedskuss, eine Umarmung. Wieder bist du weg, die Wohnung zu groß für mich alleine. Auch nach all der Zeit sitze ich weinend in der Bahn, fühle mich ein bisschen taub. Wie kann ein Tag nur so schnell vorbei sein? Wo ist mein Zeitumkehrer? Wo sind meine Gläser, damit ich alle Momente zwischen uns verschließen und nochmal erleben darf? Du fehlst mir wahnsinng. Ich kann es kaum erwarten, die Zeiten in denen du jeden Abend Heim kommst und mir von deinem Tag berichtest. Und mich dann aufziehst mit einer belanglosen Sache. Und dann werd ich dich ansehen, zufrieden sein, weil wir das hinter uns haben. Dann bin ich angekommen. Bei dir, bei uns.

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2 Gedanken zu “„Musst du wirklich schon los?“

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