Verloren gehen und da bleiben.

Das Schlimmste daran verloren zu gehen ist die Angst, sich nicht mehr wieder zu finden. Das Beste daran verloren zu gehen ist die Gewissheit, sich nicht mehr wieder zu finden.

Ich geh mich gerne suchen. Und ich geh oft verloren. Und das liegt nicht an meiner Koordination die einer Eintagsfliege gleicht. Sondern daran, dass ich nicht weiß wer ich bin. Ich kenne mich manchmal überhaupt nicht, treffe Entscheidungen die so naiv, so dumm sind, dass man denken könnte mein 12 jähriges ‚Ich‘ hätte sie gefällt. Wo sind denn die ganzen Jahre an Erfahrung und Weisheit wenn ich sie mal wirklich brauche? Weg. Wie in einer Matheklausur sitze ich da und schiele zum Nachbarn herüber, spickend was der denn so macht. Ich vergleiche mein Leben mit Anderen. Alle haben schon dies oder jenes. Nur ich nicht, ich sitze immer noch irgendwo rum und frage mich warum ich es nicht schaffe mit meinem Kaugummi eine riesige Blase zu machen.

Ich muss mir immer wieder ins Gedächtnis rufen dass jeder Mensch sein eigenes Tempo hat. Niemand sollte so schnell sein wollen wie der Andere. Es ist vollkommen okay noch unkoordiniert zur Musik zu tanzen, alleine, während alle anderen mit Tanzpartner beim Tanzkurz angemeldet sind. Ich bin Ich. Mein Mantra an schlechten Tagen. Ich darf weinen, traurig sein, wütend sein und ich darf hinterfragen. Ich darf, muss, verloren gehen. Sooft wie ich es eben brauche. Sooft es meiner Seele eben gut tut.
Lieber verloren gehen und sich neu finden als stehen bleiben und stagnieren. Jedem Rückschlag folgt eine neue Erkenntnis. Die Erkenntnis wer ich wirklich bin. Was mich ausmacht und wie ich mich selber gerne hätte. Bis ich irgendwann genau weiß wer ich bin. Bis ich irgendwann genau weiß wo ich hin möchte.

Und dann, wenn ich mich wieder gefunden habe, kann ich damit anfangen mich zusammen zu setzen. Sachte und behutsam, setze ich die Teile meines Wesens wieder zusammen. Um zu mir zurückzukehren, um atmen zu können. Dann bin ich stärker als vorher und meistens auch schlauer. Größer und besser als mein vorheriges Ich. Ich bin neu, weil ich verloren gegangen bin.

Das Schlimmste daran verloren zu gehen ist die Angst, sich nicht mehr wieder zu finden. Das Beste daran verloren zu gehen ist die Gewissheit, sich nicht mehr wieder zu finden.

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